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Events

THEMATIC PRIORITY SPRING - SUMMER 2019

POETRY AND MYTH

The lectures, seminars and excursion are open to the public. All are welcome.
Venue: Lecture room, Gemeindestrasse 27, 8032 Zürich

PROGRAM
 


Rainer Maria Rilke in Paris 1925, Aufnahme von Henri Martinie

  

Nach der Vollendung seiner "Duineser Elegien" (1922), dem Höhepunkt seines literarischen Werkes, erkrankte Rainer Maria Rilke an einer Leukämie. Der Vortrag beleuchtet Rilkes Verständnis von Krankheit, Therapie und Tod in Werk und Leben und schildert sein Ringen mit Ärzten und Therapeuten auf dem Weg einer individuellen Sinnsuche, die auch seinen Umgang mit der Erkrankung im Zusammenhang mit der Lebensgeschichte kennzeichnete.

"Wenn man […] die Einbettung organischer Erkrankungen in die äussere und innere Lebensgeschichte erkundet, so ist man erstaunt, wie oft die Krankheit auf dem Gipfel einer dramatischen Zuspitzung aufritt, wie oft sie eine Katastrophe aufhält oder besiegelt, wie regelmässig sie dem biographischen Verlauf eine neue Wendung gibt. Die organische Krankheit ist der Biographie als historisch-bedeutsamstes, als geistig-sinnvolles Stück eingefügt, als ob sie dazu gehöre." (Viktor von Weizsäcker)

Peter Selg, Prof. Dr. med., Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -Psychotherapie, unterrichtet medizinische Anthropologie und Ethik an der Universität Witten-Herdecke (D) und an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter (D). Er leitet das Ita Wegman Institut für anthroposophische Grundlagenforschung in Arlesheim (CH) und ist der Autor zahlreicher Publikationen.

Eintritt: Fr. 20, Studenten 15.
Für Mitglieder und stat. Gäste frei

     


Alphidus, das Schatzhaus der Weisheit betretend. 
Aurora consurgens, Zentralbibliothek Zürich, Codex Rhenoviensis.

 

  

Marie-Louise von Franz hat den alchemistischen Traktat „Aurora Consurgens“ (aufsteigende Morgenröte) zunächst übersetzt, dann aber – auf Anregung von C.G. Jung – einen ausführlichen psychologischen Kommentar dazu geschrieben. Beide, Text und Kommentar sind als dritter Band von „Mysterium Coniunctionis“ erschienen. Die „Aurora Consurgens“ ist ein dem Thomas von Aquin (1225-1274) zugeschriebenes Werk. Der visionäre Text soll die letzten Worte dieses grossen mittelalterlichen Gelehrten enthalten. Marie-Louise von Franz geht davon aus, dass es die Antwort ist auf eine erschütternde seelische Erfahrung, die er kurz vor seinem Tode gemacht hat.

Zeit: jeweils 16.00 - 18.00 Uhr
Kosten: Fr. 30 pro Sitzung

Die Teilnehmerzahl ist beschränkt. Im Moment können keine neuen Teilnehmer aufgenommen werden.

Auskunft: Regine Schweizer-Vüllers per
e-mail reschweizer@bluewin.ch oder
telefonisch 044 392 05 51.

     

„Du hast, o Schamasch, die Tore geöffnet…“
Der Sonnengott steigt am Horizont empor.
Stefan Maul, Das Gilgamesch-Epos,
München, C.H. Beck 2005, S. 65

  

Es war eine echte Sensation, als Georg Smith, Sohn einer englischen Arbeiterfamilie, im Dezember 1872 bei einer Versammlung der British Society of Biblical Archeology einen babylonischen Text vorlegte, der die bekannte biblische Geschichte von der Sintflut erzählte. Zwar hiess der Sintflutheld nicht Noah, sondern Uta-napischti, aber es bestand kein Zweifel darüber, dass der babylonische Mythos dem biblischen Bericht als Vorlage gedient haben musste. Die Nachricht ging um die Welt. Die Einzigartigkeit der biblischen Texte als einmalige Offenbarung war erschüttert!

Schon bald hatte man erkannt, dass das keilschriftliche Fragment zu einem grossen Epos gehörte, das von den Abenteuern und Heldentaten des Gilgamesch berichtet und das um gut tausend Jahre älter ist als die ältesten biblischen Texte. Im Zentrum des Vortrags wird der Traum des Gilgamesch stehen. Dieser bricht gewissermassen aus dem Jenseits mitten in den Herrschaftsbereich des Königs von Uruk ein. Es ist ein Initialtraum, der, weit über die historische Gestalt des Helden hinaus, einen entscheidenden Schritt in der Bewusstseinsentwicklung der Menschheit ankündigt. Es gibt viele Hinweise, welche die Historizität von König Gilgamesch belegen. Nach diesen Zeugnissen soll er um 2800 vor Chr. jene gewaltigen Stadtmauern von Uruk errichtet haben, die seinen Ruhm über Jahrtausende hinweg geprägt haben. Schon in der Mitte des dritten vorchristlichen Jahrtausends ist er als Gott verehrt worden.

George Smith musste seine Leidenschaft, die Assyriologie, mit dem Leben bezahlen. Er starb mit 36 Jahren bei einer Forschungsreise in der Nähe von Aleppo an Ruhr und hinterliess seine Frau und sechs Kinder. Ihm und seiner Berufung verdanken wir den Beginn der Gilgamesch-Forschung, die bis heute nicht abgeschlossen ist. Der Heidelberger Assyriologe Stefan Maul hat 2005 eine neue deutsche Übersetzung vorgelegt, die uns hilft, manche Inhalte des ältesten Epos der Welt neu zu verstehen. Einiges davon möchte ich im Vortrag weitergeben.

Eintritt: Fr. 20, Studenten Fr. 15.
Für Mitglieder und statutarische Gäste frei.

     

Frederick Sandys: Medea
Birmingham Museums and Art Gallery


Andrea Alciati, Medea töte ihre Kinder
Emblemata 1601. Köln. Universitätsbibliothek

 

  

Von der bedrohlichen Fremden aus dem Barbarenland, der bösen Zauberin und Kindsmörderin, zur liebesfähigen weiblichen Identifikationsfigur

Seit der Tragödie von Euripides (431 v.Chr.) beschäftigt die Figur der Medea die Gemüter zahlreicher Kunstschaffender bis in die heutige Zeit hinein. In über dreihundert Bearbeitungen wird Medea als Verkörperung des absolut Bösen, als eifersüchtige, rachsüchtige Frau, als Kindsmörderin, als gefährliche Zauberin, dargestellt. Die Fremde aus dem Barbarenland ist für die Griechen bedrohlich. Sie repräsentiert weibliche Eigenschaften, welche mit dem Idealbild einer Frau im klassischen Griechenland nicht kompatibel sind und somit ins Unbewusste verdrängt werden.

Die zeitgenössische Schriftstellerin Christa Wolf stellt in ihrem Roman „Stimmen“ (1996) eine ganz andere Medea dar. Medea als eine positive Identifikationsfigur, die der Wahrheit verpflichtet, liebesfähig und den Nächsten gegenüber menschlich und hilfreich ist.

Wir versuchen aus tiefenpsychologischer Sicht nach C.G. Jung zu verstehen, welche Bedeutung die archetypische Figur der Medea im klassischen Griechenland hatte und warum sie bis in unsere heutige Zeit die Gemüter bewegt und fasziniert. Inwiefern beeinflusst die geistige Neuorientierung im klassischen Griechenland, die man mit dem Schlagwort „vom Mythos zum Logos“ bezeichnen könnte, die Medeafigur und unsere heutige Kultur? Wir gehen der Frage nach, ob eine weibliche Sicht wie bei Christa Wolf eine archetypische Figur wie Medea nachhaltig verändern und erneuern kann. 

Eintritt: Fr. 20, Studenten Fr. 15.
Für Mitglieder und statutarische Gäste frei.

     


Kore

 
  

Als mythologische Gestalt ist Iphigenie schwer fassbar. Sie ist weder Göttin noch Mensch, sondern ein numinoses Wesen zwischen dem göttlichen und dem menschlichen Bereich. Wir finden sie in jeder Zeit und an jedem Ort – ausserhalb von uns und in uns. Ihre Ausstrahlung hat sie nie verloren. Längst ist aus dem Mythos eine narrative Gestalt geworden, die Dichter, Maler und Musiker des Altertums und der Neuzeit immer wieder fasziniert hat. Zeitlos präsent wird der Archetyp im suchenden Menschen belebt, wenn dessen Schicksal eine Weiterentwicklung von ihm fordert. Goethe hat in grosser innerer Bedrängnis, berührt vom einsamen Leiden Iphigenies auf der dunklen Insel Tauris, der mythologischen Gestalt einen neuen, eigenen Ausdruck gegeben, der sich in seiner Menschlichkeit grundlegend abhebt von den Versionen der antiken Dichter. 

Psychologisch kann Goethes Schauspiel Iphigenie auf Tauris sowohl vom männlichen wie vom weiblichen Standpunkt her interpretiert werden. Der Vortrag befasst sich mit Iphigenies Schicksal als Bild für den Initiationsweg einer Frau, die ihre eigene innere Wahrheit findet und so ihren Animus vom Wahnsinn der Besessenheit erlöst. Auf mythologischer Ebene begleitet und beschützt die Göttin Artemis das Initiationsgeschehen, indem sie zuerst ein Blutopfer, den Tod Iphigenies, der Tochter des Agamemnon, fordert. Im Bild der Artemis/Diana finden wir die grausamen wie die hilfreichen Züge der alten Muttergöttinnen wieder, denn Iphigenie wird errettet und erwacht auf der Insel Tauris, wo sie ihren zweiten Tod in der Dunkelheit und Einsamkeit erlebt. Die Begegnung mit dem König der Insel, Thoas, ist ein Bild für die innere Auseinandersetzung einer Frau mit den kollektiven Vorstellungen einer patriarchalen Gesellschaft, die sich ihrem eigenen weiblichen Weg widersetzen.

Die mythologische Iphigenie erhält in Goethes Bearbeitung einen tief menschlichen Aspekt. Das Drama geschieht im Mythos noch ganz im Unbewussten. Doch jede neue Beschäftigung mit dem archaischen Stoff eröffnet die Möglichkeit, das, was im Dunkel des Mythos nur angedeutet ist, im Licht eines neuen Bewusstseins zu verstehen, im kollektiven wie im persönlichen Leben.

Eintritt: Fr. 20, Studenten Fr. 15.
Für Mitglieder und statutarische Gäste frei.

     


Rudolf Högger et al, Geschenke für Buddha – Was die acht tibetischen Glückszeichen bedeuten;
herausgegeben vom Tibet-Institut Rikon,
Waldgut Verlag 2018, 290 Seiten mit über 350 farbigen Abbildungen.

 

  

Das Buch „Geschenke für Buddha“ ist 2018 zum fünfzigsten Geburtstag des Tibet-Instituts Rikon erschienen, des ersten tibetischen Klosters in Europa. Es steht unter der Schirmherrschaft des Dalai Lama und ist nach dessen Worten zu einem „Brückenbauer im Dialog zwischen der tibetisch-buddhistischen und der westlichen Kultur“ geworden. Das zeigt sich im vorliegenden Jubiläumsband besonders deutlich: Während im ersten Teil tibetische Menschen (darunter der Abt des Klosters Rikon) die Bedeutung der Glückszeichen in ihrem Alltag und in ihrem Glauben beschreiben, blättert Rudolf Högger im zweiten Teil einen kulturgeschichtlichen Bilderbogen auf, der zeitlich, geographisch und religiös weit über den Buddhismus hinausweist und die tibetischen Glückszeichen vor allem tiefenpsychologisch zu verstehen sucht.

Rudolf Högger, der Initiant und Hauptautor des Jubiläumsbandes, wird uns das umfangreiche Werk vorstellen. Er war während vieler Jahre Präsident des Stiftungsrats des Tibet-Instituts Rikon und ist heute dessen Vizepräsident. Anhand zahlreicher Bilder wird er in seinem Vortrag den seelischen und menschheitsgeschichtlichen Ursprüngen der tibetischen Glückszeichen nachspüren. Dabei wird immer wieder die Frage auftauchen, was denn im tibetisch-buddhistischen Verständnis „Glück“ bedeuten könnte. Mögliche Antworten – so glaubt er – liegen weniger in bündigen Formulierungen als in der Kraft der inneren Bilder, aus denen die Glückszeichen entstanden sind.

Eintritt: CHF 20, Studenten 15.
Für Mitglieder und stat. Gäste frei

     
    

Beide, Gottfried Keller wie C.G. Jung, haben religiöse Literatur geschrieben, wenn auch auf verschiedenen Ebenen. 
Es lohnt sich, Kellers Werk auf seelische Entwicklungen im Sinne der Individuation anzuschauen, vor allem, weil Keller die Psychologie Jungs nicht kennen konnte, denn er starb 1890, als Jung fünfzehn Jahre alt war.

Keller lebte damals schon, natürlich ohne das zu wissen, im Geiste C.G. Jungs. Er verfügte über einen tiefen religiösen Boden, den er auch stets verteidigte. Seine bewundernswerteste Tugend war seine Echtheit, die er niemals, auch nicht in grossen Nöten, aufgegeben hat. 

Alle seine Schriften sind von dieser Grundhaltung durchdrungen, vor allem aber sein Hauptwerk: „Der grüne Heinrich“. Doch auch in den Novellen wie in den Bettagsmandaten, die er als Staatsschreiber abzuliefern hatte, ist dieser Geist zu spüren.

Sein letzter Roman: „Martin Salander“ habe, wie er selber schreibt, zu wenig Poesie. Damals plagte ihn die Entwicklung des Volkes, vor allem der Behörden und der Reichen, wegen der Industrialisierung, welche zu Gewinnsucht und Machtstreben führte. Er sah darin eine unheilvolle Zukunft, in der die Moral nicht mehr zählte, wie er es in seinen Jugendjahren selber erlebt hatte. 

Er litt sehr an seinem Leben, denn Misserfolge waren bis zu seinem 41. Jahr sozusagen an der Tagesordnung, sei es als Dichter oder als Liebhaber. Was ihn ausgezeichnet hat, war seine jeweils noble Haltung diesen Misserfolgen gegenüber. 

Sein eindrücklicher und imposanter Todestraum deutet auf eine gelungene Individuation hin. Deshalb, so nehme ich an, ist sein Werk auch heute noch lebendig.

Eintritt: Fr. 20, Studenten Fr. 15.
Für Mitglieder und stat. Gäste frei

     


Sternbild Andromeda

 


Apuleische Amphore in Malibu, 350–340 v. Chr.,
Getty Museum 84 AE 996.

  

Das Sternbild der Andromeda ist die meiste Zeit des Jahres zu sehen, im Winterhalbjahr am Abendhimmel. Für die Griechen muss ihre Geschichte sehr bedeutsam gewesen sein, denn zusammen mit ihren Eltern Kassiopeia und Kepheus sowie mit Perseus bedecken die Gestalten des Perseus-Andromeda-Mythos beinahe ein Drittel der Himmelskuppel in der nördlichen Hemisphäre.

Nicht nur griechische Autoren wie Euripides haben diesen Mythos als Drama gestaltet, auch viele Künstler der Renaissance waren davon fasziniert. Der Mythos handelt davon, wie die Hybris von Andromedas Mutter, Königin Kassiopeia, Überschwemmungen und Zerstörung über das Land brachte: Sie rühmte sich, schöner als die Nereiden (Wassernymphen) zu sein. Zur Sühne dieses Frevels sollte die Königstochter Andromeda dem verschlingenden Meeresungeheuer Ketos dargebracht werden. Doch in letzter Minute kam auf Flügelschuhen der Held Perseus herbei. Perseus verliebte sich sogleich in die am Felsen zum Opfer ausgesetzte Andromeda, bekämpfte erfolgreich das Ungeheuer und bekam sie nach zahlreichen Hindernissen als Lohn zur Frau. Sie bilden das neue Königspaar. Bei ihrem Tode wurde Andromeda (griechisch: ‚Menschenführerin‘) von Athene unter die Sterne versetzt.

Im Vortrag sollen dieser Mythos und die Konstellation des Sternbildes der Andromeda tiefenpsychologisch gedeutet und als Problem der Naturbeziehung erkennbar werden. Ebenso wie Kassiopeias Hybris die Nymphen, wertet unser herrschendes, inflationiertes Bewusstseinsprinzip das Unbewusste mit seinen schöpferischen und belebenden Qualitäten ab. Die Kassiopeia von der Natur geschenkte Schönheit dient ihr zur Dominanz über die Nymphen, das heisst über das Naturgöttliche. Damit setzt sie Andromeda dem Tod aus. Dem Erneuerungspotenzial des herrschenden Bewusstseins, einer zukünftigen Beziehungs­möglichkeit zu Seelischem, zu Gefühl und Mitwelt, droht die Zerstörung. Erstarrung in eingefahrenen Reaktions- und Handlungsmustern, die Bearbeitung der neuen Probleme mit den Mitteln des alten Geistes, herrschen vor: So bekämpfen wir Umweltprobleme durch mehr Rationalität, verbesserte Beherrschungsstrategien und optimierte Ausbeutung. Dabei wird das weibliche Prinzip – auf verschiedenen Ebenen – seiner Handlungsfähigkeit und Führungsrolle beraubt und wie im Mythos an den Fels, die Materie, gefesselt und darauf reduziert. Die Situation erscheint hoffnungslos. Wie kann das Weibliche erlöst werden? 

Eintritt: Fr. 20, Studenten 15.
Für Mitglieder und stat. Gäste frei

     
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