Menu
Psychologischerclub
Menu
 
top

top
search
pcz_saal_021.jpg

Events

THEMATIC PRIORITY AUTUMN 2021

Der schöpferische Geist und das „Nur“-Menschliche

The lectures, seminars and excursion are open to the public. All are welcome.
Venue: Lecture room, Gemeindestrasse 27, 8032 Zürich

PROGRAM
 


Rembrandt van Rijn, Gelehrter im Studierzimmer, 1652

 
  
Alles geben die Götter, die unendlichen, 
Ihren Lieblingen ganz, 
Alle Freuden, die unendlichen,
Alle Schmerzen, die unendlichen, ganz.
J.W. Goethe

An vielen Texten und Bildern von Jung und über ihn nehmen wir Anteil an den Stationen seines Lebensweges – und an den Erfahrungen aus der Tiefe seiner Seele. In hohem Alter bemüht er sich, die Linie zu sehen, die durch sein Leben „in die Welt geführt“ hat „und aus der Welt wiederum“ herausführt. 

Lässt sich eine Spur erkennen, wie der „Geist des Unbewussten“ sich in uns verwirklicht? Wie können wir unerwartetes Leid und schicksalshafte Einflüsse auffassen, die nicht der christlichen Vorstellung von einem guten vollkommenen Gott entsprechen? Anhand von Beispielen mit Träumen und Zeichnungen, von Bildern aus der Alchemie und dem Roten Buch gehe ich diesen Fragen nach.

In stillen Momenten steht mir das Wunder vor Augen: In der Dunkelheit des Unbewussten sind Bilder, Töne, Stimmen verborgen, die uns zu erreichen versuchen. Der Mensch sei das „Tor“, durch das die „Götter der Aussenwelt“ eintreten in die Innenwelt, „aus der größeren in die kleinere Welt.“ In alten Überlieferungen wird die Gottheit als ein „Lebensstrom“ aufgefasst, der Ereignisse bewirkt und unsern Willen, das Planen in Zeit und Raum unterbricht. Aus einem zeitlosen Fluss treten die Gegensätze ins Bewusstsein, die das lichte Gottesbild unserer christlichen Kultur erweitern. Das Individuum erlebt auch die dunkle unergründliche Seite Gottes und erfährt in seinem Werk Symbole der Einheit und der schöpferischen Erneuerung. 

Menschwerdung bedeute „die Verwirklichung einer potentiell vorhandenen Realität“, schreibt Jung 1952 in hohem Alter in einem Brief an Wolfgang Pauli. Die Gottheit will sich in ihrer Ganzheit verwirklichen – im Menschen in seiner diesseitigen Realität.

Datum: Samstag, 11. September 2021

Beginn: 17.30 Uhr; der Vortrag dauert 90 Minuten

Eintritt: Fr. 20, Studenten Fr. 10;
für Mitglieder und stat. Gäste frei

 

     


Weihrelief an Askepios, Piräus

  

Wenn sämtliche ärztlichen Künste versagten, wandten sich die Menschen in der Antike an den göttlichen Arzt. Am Beispiel des Kultes in Epidauros, wo nebst Asklepios auch Apollo angerufen wurde, werden wir im Vortrag dem Heilgott der Griechen nachspüren. Im Zentrum des Kultes stand der Tempelschlaf. Der Heilsuchende hatte sich durch Opfer- und andere Rituale sorgfältig darauf vorzubereiten. Zum gegebenen Zeitpunkt musste er sich in das dafür vorgesehene Gebäude, das Abaton, begeben und sich allein in Stille hinlegen, bis ihm in Traum oder Vision der Gott erschien und die wunde Stelle behandelte, einen Auftrag erteilte oder eine Therapie verschrieb. Am andern Morgen erwachte er, mit wenigen Ausnahmen, geheilt. 

Die antike Auffassung, nach welcher Krankheit von Gott gesandt ist und nach dem alten Prinzip der Homöopathie auch einzig durch Gott geheilt werden kann, hat eine Wiederbelebung erfahren in C. G. Jungs wegweisender Erkenntnis, dass jede Krankheit und jede Neurose ihre eigene Heilung in sich trägt.

Wir werden im Vortrag von einigen epidaurischen Wundern hören und dabei sehen, dass es allem Anschein nach die numinose Begegnung mit der Gottheit war, welche die Heilung bewirkte. Aus Sicht der Tiefenpsychologie ist dies als psychische Ganzwerdung durch die Vereinigung des menschlichen und des göttlichen Prinzips zu verstehen. Ihr geht ein Abstieg des Menschen in die eigene seelische Dunkelheit und die oft schmerzliche Auseinandersetzung mit den konflikthaften Vorgängen im Bereich des Archetypischen voraus. 

Dass dem Heilungsverlauf letztlich ein Wandlungsprozess im Unbewussten zugrunde liegt, sehe ich nicht zuletzt in der architektonischen Symbolik der Tholos gespiegelt, dem mandalaförmigen Rundbau mit seinem reichen Bilderschmuck im Oberbau und dem unterirdischem Labyrinth, wo vermutlich die heiligen Schlangen gehalten wurden. Diesem rätselhaften Gebäude soll eine nähere Betrachtung gewidmet werden. So wenig uns heute über dessen religiöse Funktion bekannt ist, so vielsagend ist die überlieferte Tatsache, dass dort Eros, «verlangende Liebe», und Methe, «Trunkenheit», als heilende seelische Mächte verehrt wurden.

Datum: Samstag, 25. September 2021

Beginn: 17.30 Uhr

Eintritt: Fr. 20, Studenten Fr. 10
für Mitglieder und stat. Gäste frei

Anmeldung an: kontakt@psychologischerclub.ch 
(für Vortrag im Club oder Zoom-Teilnahme).

     
    

In der ‹Ilias› berichtet Homer vom strahlenden Helden Achilleus, der mitten in den Wirren um die Belagerung der Stadt Troia seine Rüstung verliert. Seine Mutter Thetis eilt auf den Olymp und bittet Hephaistos, ihrem Sohn eine neue Rüstung zu schmieden. Der Götterschmied fertigt, gewissermassen unter unseren Augen, einen herrlichen kreisrunden Schild. Darauf bildet er Himmel und Erde, Städte und Felder, einen festlichen Reigen und als umlaufendes Band den Ozean. 

Auf den ersten Blick scheint alles einfach. Hephaistos stellt dar, was er vom Götterberg aus eben sehen mag. Inmitten des Erdkreises liegen zwei Städte, eine in ungestörtem Frieden, eine in drangvoller Belagerung. Könnte letztere Troia sein – welches wäre die andere? Unter Schnittern sinnt ein König, hinter Wall und Graben versteckt sich ein Weinberg, Tanzende wirbeln um einen göttlichen Sänger.

Lobt Ephraim Lessing dieses "lebendige Gemälde einer Handlung", so rühmt Homer-Forscher Joachim Latacz das "Mittel zur Erhöhung der Spannung". Was aber sollen die lebenden Bilder auf dem Schild denn bedeuten? Blickt man unter die Oberfläche, so erscheinen geheimnisvolle und verschlüsselte Zeichen und Strukturen. Sorgfältige und umfassende Textvergleiche bringen die Bilder zum Sprechen und ermöglich es, das Geschehen auf dem Schild allmählich zu verstehen und in das Umfeld von ‹Ilias› und ‹Odyssee› einzubetten.

Andreas Jung, geboren 1942, aufgewachsen in Küsnacht, studierte nach einer A-Matur (Latein/Griechisch) Architektur und arbeitete als Architekt-Denkmalpfleger in der Stadt Zürich. Daneben befasste er sich mit vielfältigen Aspekten der Kulturgeschichte.

Datum: Samstag, 9. Oktober 2021

Beginn: 17. 30 Uhr

Eintritt: Fr. 20, Studenten 10
für Mitglieder und stat. Gäste frei

Anmeldung an: kontakt@psychologischerclub.ch
(für Vortrag im Club oder Zoom-Teilnahme).

     


An der Tür 1965

 

  

In einem Interview von 1975 äusserte sich Birkhäuser über die fundamentale Wende in seinem Leben und künstlerischen Schaffen:

„Etwas durchkreuzte mich und zerstörte meine bewussten Ideale, konsequent über Jahre, bis ich so klein war, dass ich nachgab. Und ich gehorchte, noch bevor ich es begriff. Aus schierem Leiden gab ich nach. Erst später, mit den Jahren, konnte ich endlich den Sinn erkennen. Aber dieses Unbekannte in mir wusste den Sinn schon immer ... Ich erlebte eine Macht in mir, die nicht ich war.“

Peter Birkhäuser war nicht nur ein ernster Mann oder gar gehorsam. Er besass Witz und konnte das Komisch-Menschliche auch an sich selbst immer erkennen. „Ich bin der Dorfschmierer von Binningen“ bezeichnete er sich manchmal scherzhaft. Doch Ernst kam auf und immer auch das Gefühl von Furcht, wenn Peter Birkhäuser von dem Unbekannten erzählte, das an seine Türe kam und Einlass verlangte. Ein Traum von 1956: „Der Jäger in grünem Kleide kam und ging mit festen Schritten auf die Türe meiner Werkstatt zu. Er ist ein grosser, martialischer Mann mit einem Gewehr. Ich hatte sein Porträt in Arbeit, und er schien auf dessen Fortsetzung zu dringen.“ Marie-Louise von Franz reagierte darauf: „Natürlich ist der grüne Jäger Wotan! Er besteht darauf, dargestellt zu werden.“

Peter Birkhäuser war kein Held und verlor nie seine Menschlichkeit. Sein Werk ist ein Experiment mit dem Unbekannten geworden, das sich mehr und mehr auf seinen Leinwänden auskristallisierte und zur Seelennahrung wurde. Das Besondere an diesem opus ist, dass dabei Sinn entstand, dass der drängende Geist sein Licht erst durch den Menschen, der ihm zum Gefäss wurde, zeigen konnte.

Im Seminar stelle ich einzelne Werke von Peter Birkhäuser vor, welche die Wichtigkeit des Menschen als Gegenüber des Grösseren zum Inhalt haben. Im gemeinsamen Gespräch vertiefen wir das Verständnis und versuchen Brücken zu eigenen Erfahrungen zu schlagen.

Datum: Samstag, 30. Oktober 2021

Dauer: 10.00 bis 16.00 Uhr

Kosten: Fr. 100 / Clubmitglieder, stat. Gäste und Studenten: Fr. 80
(Barzahlung)

Anmeldung bis 25. Oktober 2021 per Mail an: kontakt@psychologischerclub.ch 
(max. 25 Personen)

     
    

Añjali ist ein Sanskrit Wort, das in allen indischen Sprachen, aber auch im Nepalischen oft verwendet wird. Es bezeichnet eine Gebärde der Ehrerbietung gegenüber einer Gottheit oder einem Menschen. Im Wörterbuch wird die Añjali-Geste beschrieben als „die beiden hohl zusammengelegten Hände“. Das obige Bild zeigt, was damit gemeint ist.

In meinem Vortrag möchte ich der Frage nachgehen, welches die symbolische Bedeutung dieser Gebärde sein könnte. Ich vermute, dass sich darin etwas vom Schöpfungsgeheimnis der Seele spiegelt. In der buddhistischen Bildtradition gilt die linke Hand als weiblich, die rechte als männlich; im Jung’schen Verständnis ist die Linke stärker mit dem Unbewussten, die Rechte mehr mit dem Bewusstsein verbunden. Wenn sich nun die beiden Hände behutsam aneinander legen, Fingerspitze auf Fingerspitze, berühren sich die Gegensätze. Es bildet sich ein Innenraum, in welchem Neues entstehen kann. Die Añjali-Gebärde wird zum Symbol für einen inneren Schöpfungsvorgang. Der indisch-nepalische Kulturraum ist reich an Bildern und Ritualen, welche diesen Moment zum Ausdruck bringen.

Mir scheint, dass uns solche Schöpfungsvorgänge durch das ganze Leben begleiten. Den Indivi­duations­weg verstehe ich als ein nie endendes Schöpfungs­geschehen, das vielleicht schon im Mutterleib beginnt und bis zum Tod andauern kann. Wir erleben uns in diesem Werdeprozess als Geschöpfe, aber wir sind stets auch Mit-Schöpfende.

Im Zentrum meiner Ausführungen werden Be­geg­nungen mit nepalischen und indischen Menschen stehen, die in der hinduistischen oder buddhistischen Geisteswelt verwurzelt sind. Sie haben mich am Reichtum ihrer Geschichten und Gebärden, ihrer Träume und Gebete teilnehmen lassen. Immer hatte ich dabei den Eindruck, dass es im religiösen Leben dieser Frauen und Männer um Individua­tions­schritte, das heisst um innere Schöpfungsmomente geht. Das hat mich beeindruckt, und davon möchte ich berichten.

Datum: Samstag, 13. November 2021

Beginn: 17.30 Uhr

Eintritt: Fr. 20, Studenten Fr. 10 –
für Mitglieder und stat. Gäste frei

Anmeldung an: kontakt@psychologischerclub.ch
(für Vortrag im Club oder Zoom-Teilnahme).

     


The book will be published in German and English

 
  

Im Namen des Psychologischen Clubs sind Sie herzlich eingeladen zur Buchvernissage

Journal Sabi Tauber – Begegnungen mit
C. G. Jung 

Beiträge zur Psychologie von C. G. Jung aus dem Psychologischen Club Zürich
Band 3 / Daimon Verlag

Journal Sabi Tauber– Encounters with
C. G. Jung

Contributions to Jungian Psychology by the Psychology Club Zurich
Volume 3 / Daimon

„Es ist das große Leidwesen unserer Kultur, dass wir merkwürdig unfähig sind, unsere eigenen Gefühle zu realisieren, das heißt, die Dinge zu spüren, die uns etwas angehen.“ – C. G. Jung

Von 1951 bis 1961 führte Sabi Tauber ein Journal über ihre Begegnungen mit C. G. Jung. Dabei ist ein wertvolles und seltenes Dokument entstanden. Es ist uns eine große Freude, dieses Journal zwanzig Jahre nach Sabi Taubers Tod im Jahre 2001 gleichzeitig an ein deutsch- und ein englischsprachiges Publikum zu übergeben. Im Zentrum dieser Journal-Aufzeichnungen stehen Fragen zur Liebe, zum Schöpferischen und zum Schatten.

Sabi Tauber konnte C. G. Jung in den Jahren 1951–1961 in Küsnacht besuchen, oft auch in seinem ab­ge­schie­denen Turm in Bollingen. Und einige Male kam Jung nach Winterthur, wo er im Kreise der Familie Tauber und ihrer Freunde spontan seine Anschauungen darlegte. Teile dieser Gesprächsabende waren in der Publikation C. G. Jung, Über Gefühle und den Schatten bereits einmal zugänglich. 

In ihren Begegnungen geht Jung individuell auf Sabi Tauber ein, weist aber immer wieder auf das Archetypische hin, das er hinter einer Problemstellung erkennt. So werden wir auch heute von C. G. Jungs lebendigem Geist unmittelbar berührt. Die wissenschaftliche Präzision seiner Gedanken ist hier in Atmosphärisches eingebettet und gewinnt dadurch eine besondere Gefühlsqualität

Im Namen der Editionskommission:
Irene und Res Gerber (Hrsg.)

Datum: Samstag, 27. November 2021

Beginn: 17.30 Uhr

Anmeldung an: kontakt@psychologischerclub.ch
(für Vortrag im Club oder Zoom-Teilnahme).

     
top

top